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Die Detektei A&B Detektive | Einsatzort Göppingen *

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Detektivische Erzählungen aus der Detektei Göppingen *

Hohenstaufen 1905
Museum in Storchen
 
Privatdetektei A&B für Göppingen Privatdetektei Göppingen  

© Public Domain

Franz, der Malergeselle, gibt Rätsel auf

Herr Z. hat ein Problem mit seinem Betrieb


„Warum kommst du denn heute wieder so spät?“ fragte der Meister den Malergesellen, als der endlich so gegen neun Uhr am Morgen auf der Baustelle erschien.  Franz, der Malergeselle, war früher ein Muster an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gewesen, aber seit ungefähr drei Monaten war „der Wurm drin“ – manchmal kam er erst gegen Mittag, dann wieder war er wochenlang pünktlich wie früher, und manchmal erschien er morgens bei Arbeitsbeginn unrasiert, er trug offenbar auch die Kleidung vom Vortag – gemeint war nicht der weisse Anstreicheranzug, der wurde natürlich nicht täglich gewechselt.  Er wirkte übermüdet – so, als ob er nur einige  wenige Stunden geschlafen hätte.

Franz war eigentlich die feste Hoffnung des Meisters und Inhabers des Maler- und Anstreicherbetriebes in der Vorstadt. Meister Z. hatte keine Kinder, keine Erben, und er dachte seit geraumer Zeit daran, dem Franz vorzuschlagen, ob er nicht zunächst Teilhaber bei ihm werden wolle – und dann könnte er allmählich den Betrieb übernehmen. 

Herr Z. hatte noch nicht mit Franz darüber gesprochen, aber er wollte jetzt allmählich Nägel mit Köpfen machen. Die Bezahlung könnte so erfolgen, dass Franz mit ihm einen Übernahmevertrag machte, und darin könnte vereinbart werden, dass Franz Herrn Z. eine monatliche Rente zahlen würde, die ihm aber nicht die Luft abdrehen sollte, sondern die sich nur nach der Einnahmesituation des Betriebs richten würde.  Herr Z. hatte genug gespart in seinem Arbeitsleben – er war wohlhabend, und er hätte den Betrieb sogar ohne Bezahlung aufgeben können – aber so wohltätig wollte er dann doch nicht sein.

Und jetzt war Franz offenbar aus der Kurve geflogen – oder vielleicht war alles nur ein Irrtum? Was war nur los mit ihm? War er in falsche Kreise geraten?

Franz stammte aus dem gleichen Ort, war dort zur Schule gegangen, hatte seinen Zivildienst im Krankenhaus in der Nachbargemeinde abgeleistet, war Mitglied im örtlichen Sportverein, war äusserst beliebt bei der Dorfjugend, deren Assistenz-Fussballtrainer er vor einiger Zeit geworden war. Aber, erstaunlich war, dass er dieses Ehrenamt nur wenige Wochen nach Übernahme wieder abgab.  Nach Gründen gefragt: er war wortkarg und still. Das überhaupt fiel auf: er war immer stiller geworden – ganz im Gegensatz zu früher, als er ein fröhlicher Bursche gewesen war. Irgendwas Entscheidendes passierte offenbar mit Franz.

Meister Z. seufzte laut vor sich hin, nahm das Arbeitsgerät auf und setzte seine begonnene Arbeit in dem Neubau fort.
Franz wusste ja auch, was er tun musste, auch er griff das Werkzeug und fing an zu arbeiten. Eine Erklärung gab er nicht ab, obwohl sein Chef darauf wartete. Stattdessen sprach er nur noch wenig mit Franz, gab nur die nötigsten Anweisungen, und so wurde fast schweigend auf der Baustelle bis zum Feierabend gearbeitet.

Abends rief Herr Z. bei uns, den A&B Detektiven, an und bat um unsere Hilfe. Er wollte wissen, woran er mit Franz war, und wir sollten ihm nachgehen und sein Verhalten beobachten. Er berichtete, dass Franz offenbar in die Gerüchtemühle im Ort geraten war – ihm waren komische Aussagen zugetragen worden, wonach der Franz angeblich „übergeschnappt“ war.

Wir machten unsere Pläne, wir wussten natürlich, wo Franz wohnte und legten uns gegen Mitternacht auf die Lauer. Gegen zwei Uhr morgens öffnete sich die Haustür, und Franz kam heraus. Er stieg in sein Auto, und in schneller Fahrt ging es auf die Autobahn in Richtung Westen. Wir fuhren in ungefährlichem, gutem Abstand hinter ihm her, die Autobahn war fast leer, so konnten wir ihm bequem folgen. Nach ungefähr dreissig Kilometern fuhr er von der Autobahn ab, ging dann auf die Bundesstrasse, hinter dem nächsten Dorf bog er in ein Waldstück ab. Glücklicherweise hielt er unmittelbar nach dem Abbiegen auf einem Wanderparkplatz an – sonst hätten wir ihn verloren. Wir schafften es, ihm unbemerkt zu folgen – er ging zu einem versteckt liegenden alten und eigentlich verlassenen Abbruchgebäude, wo aber schon ungefähr zehn andere Menschen warteten.  Wir kamen uns vor wie beim Räuber- und Gendarm-Spielen aus Kindertagen.

Mit unseren Nachtsichtgeräten konnten wir verfolgen, dass die Gruppe im Freien mit einer Art Ritual begannen – wir fotografierten auch mit unseren Kameras, deren hochlichtempfindliche Elektronik  gute Aufnahmen ohne Beleuchtung zuliessen.  Es war offenbar irgendein Kult, der hier ablief, irgendein Tanzkult.  Wir sahen, dass Franz eine gewisse  Führungsrolle einnahm, so, als wäre er der Anführer dieser Gruppe.

Nach einer halben Stunde sahen wir, dass die Gruppe offenbar wie im Trance tanzte, und wir fanden, dass wir genug gesehen hatten.

Wir fuhren zurück und nahmen noch ein paar Mützen voll Schlaf. Am Mittag war unser Bericht fertig, wir suchten Herrn Z. auf und übergaben ihm, was wir zu zusammengestellt  hatten.

Er war erschüttert.

Dass Franz einer solchen Gruppe angehörte, rechtfertigte keinesfalls irgendwelche disziplinarischen oder arbeitsrechtliche Massnahmen – abgesehen davon, dass die Unpünktlichkeit am Arbeitsplatz  nun offenbar ihre Erklärung gefunden hatte.

Vielleicht traute sich Franz nicht, seinem Chef offen von seiner neuen Interessenlage zu berichten – aber nun hatte Herr Z. eine neue Erkenntnis, eine Idee, wie er mit dem „Problem Franz“ umgehen musste.    

Wir sassen noch ein wenig mit Herrn Z. zusammen, und er fragte nach unserem Eindruck – ob das gefährlich sein könnte, was wir da gesehen hatten.

Wir mussten bekennen: wir wussten es nicht. Es war eine „grenzwertige“ Erfahrung, und Herr Z. musste nun selbst entscheiden, wie er mit Franz umgehen sollte.

Eines war aber offenkundig: die Idee, dass Herr Z. sein Unternehmen langsam an seinen Mitarbeiter Franz übergeben wollte – diese Idee musste Herr Z. unter diesen Umständen begraben.


 

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