Gummersbach ist eine ländliche Stadt – aber was sich wie ein sprachlicher Fehler und Widerspruch anhört, verbindet sehr viele Städte dieser Größe: ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland mit einigen modernen Industriebetrieben, neue Ansiedlungen von Hi-Tec-Firmen auf der grünen Wiese, und gleichzeitig werden diese Städte attraktiv für Menschen, die aus den Städten herausflüchten, die die frische Luft und unverbaute Landschaft für sich und ihre Kinder wählen, und die dafür manchmal lange Pendlerwege zur Arbeit in Kauf nehmen. Bürgermeister solcher Städte haben in besonderer Weise auf die komplexen Strukturen ihrer Stadtgemeinden, die oftmals auch Landgemeinden sind, Rücksicht zu nehmen, und oftmals sind sie wahre Künstler, indem sie versuchen, auf alle Bedürfnisse einzugehen und allen Wünschen gerecht zu werden.
Mancher Bewohner im Umfeld einer solchen Stadt bewohnt ein freistehendes Haus, das Grundstück ist riesig, und der nächste Nachbar ist etliche Kilometer entfernt – himmlische Verhältnisse für die Stadtmenschen, und insbesondere für die, die ein wenig alternativ wohnen möchten, die ein Grundstück suchen, durch das sogar noch ein kleiner Bach durchfliesst.
Der die Natur sehr liebende Chemiker Dr. Fritz-Wilhelm T. lebte ein wenig auf dem Mond – er schwärmte von dem Leben im Grünen, war auch in einem Naturfreundeverein, und hatte da auch eine nette Freundin – eine gleich gesinnte junge Dame kennen gelernt, Anneliese, die von allen anderen als unendlich naiv eingestuft wurde, aber Fritz-Wilhelm war derart stark in sie verschossen, dass er nichts davon merkte.
Die beiden Naturliebhaber träumten während ihrer Wanderungen in der Natur von einem Grundstück mit Bach, und man plante schon mindestens fünf Kinder – diese Planung bedeutete für weniger schwärmerische Menschen eine Art Eheversprechen – und der gute Dr. Fritz-Wilhelm war stolz darauf, diese Hürde bereits genommen zu haben, denn er hatte immer Angst davor gehabt, über seine Gefühle zu einem anderen Menschen zu sprechen. Und – Anneliese – ohne es sich einzugestehen: ihr ging es genau so!
Die beiden waren also sozusagen verlobt, ohne es sich bewusst gemacht zu haben!
Das Träumen nahm allmählich konkrete Züge an. Sie träumten bereits so konkret, dass sie bereits Immobilieninserate studierten und mit Grundstücksmaklern Kontakt aufnahmen. Ganz in der Nähe von Gummersbach gab es einige Dörfer, die auch noch attraktive Namen hatten – wie Apfelbaum, Birnbaum… - wie romantisch!
Einem windigen Immobilienmakler, Jens H., war nicht verborgen geblieben, dass hier ein sehr leicht zu nehmendes Opfer sein könnte. Er hatte noch andere Opfer, aber keines würde ihm den Weg so einfach machen wie Fritz-Wilhelm und Anneliese – da war er sich ganz sicher.
Fritz-Wilhelm hatte von den Großeltern richtig viel Geld geerbt, und man konnte ihn als stinkreich bezeichnen. Deshalb auch interessierte er sich für ein riesiges Stück Land, ja, es war ein parkähnliches Anwesen, für das die beiden „Brautleute“ sich zu entscheiden schienen. Dem Makler fiel ein besonders perfider Plan ein: er wollte etwas verhandeln und einen Vertrag ausarbeiten, der perfekt aussah – und dann wollte er sich eine große Anzahlung aushändigen lassen und mit dem Geld abhauen.
Das Grundstück wurde besichtigt, man umwanderte sogar die Grundstücksgrenzen – und war damit gut eine halbe Stunde unterwegs, so gross war das Areal. Fritz-Wilhelm und Anneliese träumten davon, vielleicht später mal eine Reitschule auf dem Gelände aufzumachen – dafür brauchte man ja Platz - und für die fünf geplanten Kinder sowieso!
Der Makler brachte wunderschön aussehende Verträge mit, ausgefüllt mit allen Details, nur der endgültige Kaufpreis und die Unterschriften mussten noch eingesetzt werden.
Der endgültige Preis musste noch verhandelt werden, das war den beiden Kaufwilligen klar. Auf den Preis war die Grunderwerbssteuer zu zahlen. Jens, der Makler, kam mit einem wahrhaft pfiffigen Vorschlag: man vereinbarte einen Kaufpreis, der eine Anzahlung enthielt. Diese Anzahlung leisteten die Käufer in Bar an den Makler – moderate 15% - und der im Vertrag eingesetzte Preis war dann der um diese Anzahlung verminderte Kaufpreis. So wurde die Grunderwerbssteuer gesenkt – clever, ha, ha, nicht wahr!?!
Fritz-Wilhelm und Anneliese waren einverstanden, so wurde es gemacht.
Der Vertrag mit allen Klauseln las sich wie die Doktorarbeit eines Juristen. Aber Fritz-Wilhelm und Anneliese unterschrieben, alle beide, obwohl nur Fritz-Wilhelm das Geld hatte und auch bezahlen würde, aber er wollte ihr das Gefühl geben, dass sie nun beide gemeinsam Eigentümer geworden waren. Fritz-Wilhelm übergab den stattlichen Anzahlungsbetrag, den Jens H. auf einem weissen Blatt Papier quittierte. Man schüttelte sich lang und kräftig die Hände, Anneliese bedankte sich auch noch, so, als wäre sie von dem Makler beschenkt worden.
Der Makler Jens H. verschwand und ward nie mehr gesehen, der Vertrag war ein einziger „Schmarren“, das Grundstück stand gar nicht zum Verkauf an – der Makler hatte sich die „Anzahlung“ erschlichen – er war ein dreister Betrüger.
Dr. Fritz-Wilhelm und Anneliese gingen zur Polizei und erstatteten Anzeige, gleichzeitig aber rieten die Beamten dazu, ausserdem einen Anwalt zu konsultieren. Das geschah. Der Anwalt prüfte den Vertrag, nahm Kontakt mit den im Vertrag angegeben Stellen auf – überall Fehlanzeige. Der Anwalt empfahl ihnen, eine Detektei einzuschalten, die den Makler suchen sollte. In Wahrheit war der Anwalt zu ängstlich und viel zu vorsichtig, den beiden Glücklichen die Wahrheit zu sagen: sie waren in ihrer Dusseligkeit selbst Schuld, dass es so gekommen war - hätten sie sich nur einmal bei einer Bank beraten lassen, dann hätten die Fachleute dort sie auf diese Dinge aufmerksam gemacht. Aber Fritz-Wilhelm war ja so stolz, dass er das Geld sozusagen aus der Hosentasche bezahlen konnte…
Wir, die A&B-Detektive, bekamen den Auftrag, den Makler zu suchen. Wir schalteten deutschlandweit alle unsere Verbindungsleute ein – recherchierten lang und fleissig - aber diese Masche war noch nie vorgekommen – niemand hatte je von einem solchen dumm-dreisten Coup gehört.