Sextus Iulius Frontinus lebte zwischen den Jahren 40 und 103, und er war ein römischer Senator, Soldat und Schriftsteller. Herr Frontinus schrieb, dass Bauwerke, die dem Wasser standhalten sollen, besonders gewissenhaft gebaut werden müssen, „ganz im Sinne der Regeln, die zwar alle kennen, aber nur wenige befolgen.“ Er kommentierte die Qualität der fast 100 km langen Wasserleitung, die das Trinkwasser aus der Eifel nach Köln führte, und die dabei durch das Gebiet der heutigen Stadt Hürth verlief. Die Wasserleitung war trotz dieser Kritik eine Meisterleistung der römischen Ingenieure.
„Pfusch am Bau“ also – gab es das offenbar schon immer? Hürth hat eine lange Tradition als Stadt mit Braunkohleförderung über lange Zeit, als Chemiestandort und inzwischen sogar als Stadt mit eigener Papierfabrik – auch andere bedeutende Firmen mit klingenden Namen nutzen inzwischen den Standortvorteil dieser alten Stadt zwischen Bonn und Köln, mit der römischen Vergangenheit.
Die Neubauaktivitäten im westlichen Stadtteil waren fast abgeschlossen, aber die Bewohner der Einfamilienhaussiedlung dort waren mehr als sauer.
Was war passiert?
Sie hatten die Häuser zu sagenhaft günstigen Preisen schlüsselfertig gekauft, der Verkäufer hatte ihnen mit wohlgesetzten Worten alles Mögliche versprochen – und die beteiligten Baufirmen taten sehr erfahren. Was die Leute in diesem Stadtteil gewundert hatte, war die Tatsache, dass weder der Architekt und noch irgendeine der ausführenden Firmen aus dem rheinischen Umfeld stammten – alle mit der Bauausführung Beschäftigten stammten aus sehr weit entfernten Orten. Die Leute, die die Rohbauten errichteten, kamen jeweils am Montagmorgen im Kleinbus angereist, bezogen in einigen Gasthöfen am Ort ein paar preiswerte Zimmer, in denen sie bis Freitagnachmittag wohnten – und fuhren im gleichen Bus wieder weg – am nächsten Montag waren sie dann wieder da. So ging das einige Wochen, bis die Rohbauten fertig waren. Der verantwortliche Bauleiter war einer von den sieben Männern. Einer der Hauskäufer erzählte später, er habe erfahren, dass die Männer sonst in Südeuropa arbeiteten, und dass auch der Architekt schon lange mit ihnen zusammen ist - und sie litten sichtbar unter dem deutlich kühleren Klima im Rheinland. Und dass er von einem der Arbeiter gehört habe, dass die Männer fast alle aus Spanien stammten.
Die Finanzierung der Siedlung hatte eine Bankengruppe übernommen, die günstige Konditionen anbot. Die meisten der 14 Hauskäufer hatten über diese Bank finanziert, und als sie einziehen konnten, war natürlich alles ein bisschen teurer geworden – wie üblich in solchen Fällen, und die stolzen Hausbesitzer waren richtig „klamm“, als es darum ging, die ersten Monatsraten an die Bank abzuliefern. Insbesondere die Umlagen – Gärten, Mauern, Zäune – das alles hatten die wenigsten Hauskäufer mitfinanziert.
Die wirklich großen Probleme aber zeigten sich erst, als im November die ersten starken Regenschauer im regenreichen Rheinland herunter kamen. Bei allen Häusern, gerade bezogen, lief das Wasser in die Keller. Entweder waren die Entwässerungsrohre von den Dächern nicht korrekt an die Abwasserleitungen angeschlossen worden – oder die Fundamente waren nicht richtig isoliert worden – egal – die Hauskäufer waren denkbar sauer.
Die Hausbesitzer formierten sich zu einer Käufergemeinschaft, wählten einen Sprecher, der im Zivilberuf als Rechtsanwalt tätig war. Die finanzierende Bank wurde über die Baumängel informiert, und die Käufergemeinschaft hatte die Hoffnung, dass die Bank noch nicht alle Rechnungen an die Baufirmen bezahlt hatte.
Doch, die Bank hatte komplett gezahlt – so sagten die Banker.
Aber die Verträge besagten ja ganz klar, dass alle Gewerke noch in der Gewährleistung waren – gut, der Ärger war zwar riesig, aber die Kosten, die bei der Mängelbeseitigung entstanden, mussten ja glücklicherweise von den Baufirmen getragen werden und trafen nicht die Hausbesitzer – so dachten sie.
Und nun begann das große Rätselraten: der Architekt war ganz neu gewesen, und niemand hatte vorher von ihm gehört. Und wo waren die Bauarbeiter?
Es kam, was niemand erwartet hatte – der Architekt war nicht mehr zu finden, und die Baufirma, die für die undichten Rohbauten zuständig waren, waren auch nicht mehr aufzutreiben. Weg – wie fort geblasen.
Die Bank beauftragte uns, die A&B Detektive, die infrage kommenden Firmen zu suchen. Wir fragten nach allen Details, die die Bank und die Hauskäufer uns geben konnten – und machten uns auf die Suche. Es war eine spannende Suche, und es dauerte einige Wochen, bis wir die Firma und den Architekten gefunden hatten – wir mussten sehr weit reisen – die Baufirmen und der Architekt waren inzwischen zusammen in Spanien tätig geworden – an der Costa Blanca, in der Nähe von Benidorm.
Als wir die Herren dort aufsuchten und uns zu einem Gespräch mit dem Architekten trafen, erfuhren wir sehr bald, was passiert war:
Die Bautruppe war in der Tat aus Spanien, und der Architekt war kein gelernter, „richtiger“ Architekt, sondern eigentlich nur ein tüchtiger und geschickter Fliesenleger. Die Arbeiter hatten noch nie auf einer Baustelle wie in Hürth zu tun gehabt – und sie verstanden überhaupt nichts von der Isolierung von Rohbauten! Da, wo sie normalerweise bauten, da gab es nämlich fast nie Regen – so wie hier an der Costa Blanca! Und jetzt erklärte sich auch, wieso diese Truppe den Auftrag bekommen hatte: sie waren unschlagbar preiswert gewesen! Und deshalb hatten sie so gebaut, wie sie es in Spanien taten – diese Angaben waren zwar schon ein wenig schlitzohrig - aber, man musste ihnen das einfach glauben – das Gegenteil beweisen konnte man so wie so nicht!
Die Ergebnisse, die wir der Bank und den Häuslebauern mitbrachten, waren wirklich traurig, aber sie liessen sich nicht vom Tisch wischen: die Kosten für die Isolierung der Keller hatten die Hausbesitzer selbst zu tragen. Natürlich kam die Forderung auf, die Leute zu verklagen.
Der Sprecher der Käufergemeinschaft aber, der erfahrene Rechtsanwalt, wusste nur zu gut, wie ein Prozess gegen diesen Architekten und die spanische Baufirma ausgehen würde – und er riet dringend davon ab, die Idee einer Klage weiterzuverfolgen.
Schade – wenn also am falschen Ende zu sparen versucht wird – das kann dann zu solchen Ergebnissen führen. Also: nicht wirklich Pfusch am Bau – und wer weiss, ob die Mängel bei den römischen Erbauern der Wasserleitung vor 2000 Jahren auf die gleichen Ursachen zurückzuführen waren…
Nehmen Sie auch gern persönlich mit uns Kontakt auf. Wählen Sie hierfür die kostenlose Rufnummer0800 - 25 74 200
oder füllen Sie unser Kontaktformular aus.