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© Wikipedia GNU Free Doc. License “In Worms, da waren wir lustig!”Komplizierte Aufklärung einer Diebstahlserie durch die Detektei Worms
Der Klinikchef hatte so langsam “die Faxen dicke”: das war schon der vierte Fall von Einbruchsdiebstahl in einem Patientenzimmer, den er der Polizei und der Versicherung melden musste. Wie sollte das Pflegepersonal die Stationen denn lückenlos bewachen – im hektischen Klinikalltag? Und was, wenn eine der Schwestern oder Pfleger tatsächlich jemanden antraf, der ihnen fremd erschien – es könnte ja auch ein harmloser Besucher sein – sollte sie den dann mit lautem Geschrei festhalten? Der Chefarzt machte sich große Sorgen, denn die Vorkommnisse liessen sich nicht gänzlich vor den Patienten verbergen – und es entstand allmählich eine gewisse Unruhe in der Station.
Ein guter Freund und ärztlicher Kollege – übrigens aus der Partnerstadt St Albans in Südengland - schlug ihm vor, er solle doch mal mit einer Detektei Kontakt aufnehmen, so würde das in England gemacht. So geschah es – er rief uns, die A&B Detektive, zu sich in die Klinik und liess uns von einem Oberarzt die Lage schildern. Alle Einbrüche waren passiert, kurz bevor das Mittagessen ausgeteilt worden war. Das Essen wurde stets vom Pflegepersonal aus der Station verteilt, und für die Integrität dieser Mitarbeiter legten der Professor und die gesamte verantwortliche Ärzteschaft die Hände ins Feuer. Wer aber lief vor dem Mittagessen in der Station herum und räumte die Schränke der Patienten leer?
Wir berieten uns mit dem ganzen Team in der Detektei, und arbeiteten den etwas ungewöhnlichen Plan aus, dass nämlich zwei unserer Ermittler, eine Frau und ein Mann, als Ehepaar getarnt, gleichzeitig ins Krankenhaus eingeliefert werden sollten. Befund: unklare Kopfschmerzen nach einer Afrika-Reise. Damit war gewährleistet, dass die beiden nicht zwingend im Krankenbett liegen mussten, sie konnten in relativ normaler Sportkleidung durchs Haus laufen, ohne besonders aufzufallen.
Vorher aber liessen wir uns von der Klinikverwaltung genau erklären, wer die von aussen zugeteilten Firmen waren, die mehr oder weniger unkontrolliert und regelmäßig ins Krankenhaus kommen konnten.
Wir prüften die Personallisten, und nach einigen Recherchen fanden unsere Ermittler, dass bei der Firma, die die Wäsche erledigte und bei der Firma, die für die Fensterreinigung zuständig war, zwei Leute mit gleichem Familiennamen arbeiteten – Brüder vielleicht, oder Vettern? Das Jagdfieber hatte unsere beiden „Kranken“ endgültig gepackt, als sich herausstellte, dass die Einbrüche immer dann passiert waren, als die Fenster geputzt wurden, und als gleichzeitig die Wäscheleute im Haus arbeiteten.
Die nächste Fensterreinigung war zur Mitte der folgenden Woche vorgesehen, und da die Wäsche an jedem Tag abgeholt wurde, sahen unsere beiden Ermittler eine gute Chance, bei genügender Aufmerksamkeit und einer gehörigen Portion Glück vielleicht weiterzukommen. Zwei Tage vor der bevorstehenden Fensterreinigung wurden unsere Leute als „erkrankte Afrikareisende“ zur Beobachtung stationär eingeliefert.
Sie liefen unerkannt und unauffällig durch die Flure des Krankenhauses und hielten ihre Augen offen. Es war selbstverständlich, dass sie sich die Fotos besonders der beiden Leute mit gleichem Familiennamen gut eingeprägt hatten, und es dauerte nicht lange, bis sie merkten, dass die beiden Männer sich tatsächlich getroffen hatten. Gekonnt und unauffällig beobachteten unsere Ermittler, wie die beiden Männer sich im Krankenhaus bewegten – und dann machte es „Klick“: die beiden arbeiteten nämlich nicht allein, sondern sie hatten einen Helfer: einer der Pfleger, der „zufällig“ ebenfalls Dienst hatte, war eine Art „Verbindungsmann“: der Wäschemann brachte kleine Gegenstände, die in unauffälligen Plastiktüten steckten, in das Stationszimmer, in dem der Pfleger sie in Empfang nahm. Der Fensterputzer kam kaum zehn Minuten später in das Dienstzimmer, wo ihm der Pfleger blitzschnell die Plastiktüten aushändigte.
Unsere „Kranken“ hatten Fotos von diesen Übergaben geschossen, und sie hatten dabei auch den Pfleger fotografiert, als der die Tüten von dem einen entgegennahm und sie dem anderen aushändigte.
Nun, die Lösung war ja relativ unspektakulär, und die drei Männer wurden zunächst laufen gelassen – jeder wusste ja, wo sie zu finden waren. Es war nur eine kleine Denksportaufgabe, und es stellte sich heraus, dass der Pfleger, der offenbar ein Komplize der beiden war, nicht nur ein Namensvetter, sondern sogar ein echter Vetter der beiden war – die drei gehörten zu einer Großfamilie, und sie arbeiteten hervorragend zusammen: der Pfleger spionierte die Patientenzimmer aus und fand so ganz einfach heraus, wo in den Schränken Ringe, andere Schmuckstücke, Uhren, Mobiltelefone und weitere Wertgegenstände lagen, und er gab dem „Wäschemann“ diese Informationen. Der betrat das Zimmer, wartete ab, bis die Patienten nicht mehr auf ihn achteten, öffnete den jeweiligen Schrank, schaute harmlos nach, ob dort Wäsche gelagert wurde, nahm dabei die Teile an sich und verschwand mit seinem Wäschesack.
Das alles war genau beobachtet und perfekt auf Fotos festgehalten worden.
Es war ein üblicher Routinefall geworden – und die Diebstähle im Krankenhaus hörten schlagartig auf, als nach Vorlegen unseres Berichtes die Anzeigen erstattet wurden und die entsprechenden Festnahmen erfolgt waren.
Nun konnten die Patienten den hübschen Satz wieder gelten lassen, den Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief an seine Mutter geschrieben hatte: „In Worms, da waren wir lustig.“  Wolfgang Amadeus Mozart, als Siebenjähriger, 1763 |