Medikamente

MedikamenteStoffe oder deren Zubereitungen, die zur Heilung von Krankheiten verwendet werden. Die Darreichungsformen sind von Anwendungszweck und Verarbeitungsfähigkeit abhängig. Stoffe, die über den Blutkreislauf ihren wirkungsort erreichen sollen, werden in Form von Tabletten, Dragees, Kapseln, Pulver, Tropfen und Säften eingenommen und gelangen über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn. Eine raschere Wirkung erfolgt durch direkte Injektion in die Vene. Hierzu muss der Wirkstoff in eine injizierbare Form gebracht werden. Lösungen dieser Art müssen steril sein und befinden sich daher in abgeschmolzenen Ampullen. Zur äußeren Anwendung werden Wirkstoffe in Form von Salben, Tinkturen und Pflaster angeboten. Im forensischen Bereich haben die M. durch ihr Vermögen, Individuen physisch und psychisch zu beeinflussen oder schädigen zu können, besondere Bedeutung erlangt. Der Anteil von M. als Vergiftungsursache in suizidaler wie homizidaler Absicht ist beträchtlich. Es müssen jedoch keineswegs immer Gesundheitsschädigungen oder Tod angestrebt werden. Auch die Beeinflussung des Verhaltens - des eigenen, wie z.B. durch Doping- oder Betäubungsmittel, oder anderer, die durch Psychopharmaka oder Betäubungsmittel willenlos, gefügig und abhängig gemacht werden - kann ein wesentliches Motiv der Giftbeibringung in Form von M. sein. Medikamenteneffekte spielen nicht selten auch bei anderen Straftaten und besonders oft bei Verkehrsdelikten eine wesentliche Rolle. Dabei kann es sich um eine untherapeutisch hohe Dosierung ebenso handeln wie um das Fehlen bzw. den Entzug eines dringend benötigten Arzneimittels. Der kriminaltechnische Nachweis einer Medikamentenvergiftung bereitet meist Schwierigkeiten. Zwar können Tablettenröhrchen und Schachteln, die am Tatort vorgefunden werden, und die Vergiftungssymptome schon wertvolle Hinweise geben, auch Tablettenreste im Mageninhalt können zur raschen Identifizierung des Giftes führen; in vielen Fällen ist jedoch die Wirkstoffmenge im Untersuchungsmaterial so gering, dass erst nach zeitraubenden und schwierigen Untersuchungen das schädigende Agens entdeckt und erkannt wird. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Arzneimittelwirkstoffe größtenteils im Organismus abgebaut werden und oft nur in Form ihrer sog. Metaboliten nachweisbar sind. Da aus einem Wirkstoff oft mehr als ein Metabolit entsteht, ist die Konzentration des nachzuweisenden Stoffes naturgemäß meist sehr klein. Dazu kommt erschwerend, dass Metaboliten, falls sie nicht überhaupt unbekannt sind, meistens schlechter beschrieben sind als der Wirkstoff und sehr häufig als Vergleichssubstanz nicht zur Verfügung stehen. Eine erfolgreiche toxikologische Arzneimittelanalytik ist daher nur unter Kenntnis der physiologischen Vorgänge und des Arzneimittelmetabolismus möglich.  

 

 

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